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Stefanie Megerle: Vom Protest zur Kickbox-Weltmeisterin
Stefanie Megerle teilt ihre faszinierende Reise im Kickboxen, die als Protest begann und sie zu internationalen Erfolgen führte. Von ihren Anfängen bis zu ihren Zielen bei Weltmeisterschaften gibt sie Einblicke in ihren Ehrgeiz und ihre Leidenschaft für den Sport.
Der ungewöhnliche Start ins Kickboxen
Stefanie Megerles Weg zum Kickboxen war alles andere als geradlinig. Mit gerade einmal sechs oder sieben Jahren wurde ihr von der Lehrerin empfohlen, Sport zu treiben, da sie "viel zu viel Energie" hatte. Ursprünglich wollte sie Fußball spielen, doch ihre Mutter lehnte dies ab. Sie argumentierte, dass Mannschaftssportarten nicht die individuelle Leistung widerspiegeln und man auf der Bank landen könne, selbst wenn man sich anstrenge. Stattdessen schlug sie eine Individualsportart vor. Stefanie, die damals wohl auch ein wenig rebellisch war, wählte daraufhin eine Kampfsportart, in der Hoffnung, dass ihre Mutter dies ablehnen würde. Zu ihrer Überraschung war die Reaktion positiv: "Super, klasse Idee, das ist perfekt, Selbstverteidigung, das machen wir auf jeden Fall." Kurz darauf entdeckte sie einen Zeitungsartikel über einen neuen Kickboxverein in ihrer Nähe und probierte es aus. Es gefiel ihr sofort, und sie blieb dabei.
Ehrgeiz als treibende Kraft
Was Stefanie Megerle auszeichnet, ist ihr brutaler Ehrgeiz. Sie hasst es zu verlieren und verfolgt jedes Ziel mit 1000 Prozent Einsatz, immer bestrebt, sich weiterzuentwickeln und die Beste zu sein. Dieser Ehrgeiz korrespondiert direkt mit ihrem Erfolg, auch wenn die World Games nicht das hundertprozentige Ergebnis brachten, das sie sich erhofft hatte.
Wichtige Erkenntnisse:
- Ehrgeiz treibt Erfolg: Stefanie Megerles unbedingter Wille, die Beste zu sein, ist der Schlüssel zu ihren Leistungen.
- Resilienz nach Niederlagen: Rückschläge, wie die knappe Niederlage im Finale der World Games, motivieren sie zusätzlich.
- Vielseitigkeit im Sport: Kickboxen bietet verschiedene Disziplinen, die unterschiedliche Stärken fördern.
- Mentale Stärke ist entscheidend: Taktik und Konzentration sind im Pointfighting genauso wichtig wie körperliche Fitness.
- Kampfsport für Frauen: Der Sport stärkt das Selbstbewusstsein und die Selbstverteidigungsfähigkeiten von Frauen.
Die World Games und die Lehren daraus
Die World Games waren ein wichtiger Meilenstein in Stiefel’s Karriere. Sie hatte eine starke Saison hinter sich und war zuversichtlich, das Finale zu erreichen. Leider lief es im Finale gegen Ungarn nicht wie geplant. Sie lag zurück und versuchte in den letzten Sekunden alles, um aufzuholen. Obwohl sie das Gefühl hatte, getroffen zu haben, entschieden die Kampfrichter anders. Sie verlor knapp mit 6:4. Trotz der Enttäuschung betont Stefanie, dass sie die Kampfrichter nicht beschuldigen würde, sondern die Fehler bei sich sucht. Die Silbermedaille bei den World Games ist dennoch ein Erfolg, auf den sie sehr stolz ist. Diese Erfahrung motiviert sie umso mehr für zukünftige Wettkämpfe, wie die bevorstehende Weltmeisterschaft.
Vom Hobby zum Profisport
Der Übergang vom Hobbysport zur professionellen Karriere begann früh. Bereits mit zehn Jahren qualifizierte sie sich für ihre erste Weltmeisterschaft, bei der sie auf Anhieb den Titel gewann. Dies bestärkte sie darin, den Sport auf diesem Niveau weiterzuverfolgen. Die Atmosphäre, das Training im Nationalteam und das ständige Streben nach Verbesserung entwickelten sich zu einer Art Sucht. Bis 2022 folgten zahlreiche Welt- und Europameisterschaften. Die Qualifikation für die European Games 2023 war ein Schritt in Richtung Olympia, auch wenn es dort nicht optimal lief. Die Aussicht auf die Aufnahme von Kickboxen in die Olympischen Spiele 2028 (Los Angeles) oder 2032 ist ein großer Traum, den sie weiterverfolgt.
Herausforderungen und Zukunftspläne
Aktuell steht Stefanie vor einer gesundheitlichen Herausforderung: Sie leidet an Arthrose in der Hüfte, was ihr vom Arzt geraten hat, das Kickboxen einzuschränken, um langfristige Probleme zu vermeiden. Dies zwingt sie zu einer Umdenkung ihrer Karriereplanung. Sie plant, dieses Jahr ihr letztes im Nationalteam zu bestreiten und sich auf Turniere in Amerika zu konzentrieren, die von einem Sponsor finanziert werden. Das Preisgeld dort ist attraktiver, da Kickboxen als Hobby oft keine Sponsoren findet, da es als "heikel" und mit einem "Schlägerimage" behaftet gilt. Sollte sie sich mit Anfang 30 noch fit genug fühlen, könnte sie sich vorstellen, weiterzukämpfen. Sie betont auch den Altersunterschied in den höheren Gewichtsklassen, wo jüngere Gegner oft körperlich überlegen sind und eine andere Taktik erfordern.
Die Faszination des Pointfightings
Stefanie ist eine offensive Kämpferin, die ihre Stärken im Angriff mit den Fäusten sieht. Sie mag es, ihren Stil durchzuziehen, auch wenn sie kleinere Gegner als unangenehm empfindet. Ihr bevorzugter Stil ist Pointfighting, das sie mit Fechten vergleicht. Hier geht es darum, wer zuerst trifft und Punkte sammelt. Hand- und Fußtechniken werden unterschiedlich bewertet. Diese Disziplin erfordert höchste Konzentration, da ein kleiner Fehler das Ende des Kampfes bedeuten kann. Im Gegensatz zum Vollkontakt-Boxen oder K1, wo Knieeinsatz erlaubt ist, ist Pointfighting für sie taktischer und ähnelt dem Schachspielen. Ein weiterer wichtiger Grund für ihre Wahl ist ihr Beruf als Polizistin. Sie arbeitet im Bereich Kinderpornografie und möchte nicht mit einem geschlagenen Gesicht ihren Klienten gegenübertreten müssen. Obwohl Pointfighting auch schmerzhaft sein kann, ist es image- und berufsbedingt die bessere Wahl für sie.
Kickboxen: Mehr als nur ein Sport
Stefanie ermutigt Frauen, Kampfsport auszuprobieren. Sie hebt hervor, dass der Sport das Selbstbewusstsein stärkt und ein Gefühl der Sicherheit vermittelt, besonders wenn man alleine unterwegs ist. Viele Kampfsportschulen integrieren auch Selbstverteidigungstechniken. Sie rät jeder Frau, es zumindest einmal zu versuchen, da es körperlich an die Grenzen bringt und ein tolles Gefühl der Erschöpfung und des Stolzes hinterlässt. Es zeigt, wozu man fähig ist.
Kein Idol, nur Fokus auf sich selbst
Im Gegensatz zu vielen anderen Sportlern hat Stefanie kein bestimmtes Idol. Sie konzentriert sich lieber auf sich selbst und baut ihren eigenen Stil auf. Sie glaubt, dass das ständige Vergleichen mit anderen dazu führt, dass man sich selbst unterbewertet. Ihr Ziel ist es, ihr eigenes Level zu erreichen und darüber hinauszuwachsen. Sie identifiziert sich auch nicht mit Sportlern, die sie nur aus Videos kennt, da ihr der persönliche Bezug fehlt.
MMA: Eine Option mit Vorbehalten
MMA (Mixed Martial Arts) fasziniert Stefanie, aber sie ist sich nicht sicher, ob sie es machen könnte. Sie mag Brazilian Jiu-Jitsu und Bodenkampf, hat aber keinen geeigneten Verein in der Nähe. Sie findet MMA zwar spannend, aber das Zuschlagen am Boden ist ihr zu brutal. Sie würde gerne austeilen, aber einstecken ist eine andere Frage. Sie würde es aber auf jeden Fall ausprobieren, wenn sich die Gelegenheit ergibt, wenn auch mit großer Vorsicht.
Ziel: Gold bei der Weltmeisterschaft
Das klare Ziel für die bevorstehende Weltmeisterschaft ist Gold. Nach ihrem Sieg bei der Europameisterschaft im letzten Jahr ist sie zuversichtlich. Sie weiß, dass ihre härtesten Gegnerinnen aus Slowenien, Italien und möglicherweise Amerika kommen. Sie unterschätzt niemanden, aber sie sieht gute Chancen für sich. Ein Podiumsplatz wäre das Minimum, das sie akzeptieren würde; das Finale ist das Ziel. Da dies voraussichtlich ihre letzte Weltmeisterschaft sein wird, ist Gold der Wunsch, für den sie alles geben wird.
Stefanie Megerle ist eine beeindruckende Athletin, deren Weg vom Protest zur Weltspitze von Ehrgeiz, Resilienz und einer klaren Vision geprägt ist. Ihre Geschichte zeigt, dass Leidenschaft und harte Arbeit zu außergewöhnlichen Leistungen führen können.
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