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Sportstunde – Interview komplett Sebastian Lucke, Speedklettern Deutscher Meister

Sebastian Lucke, der deutsche Meister im Speedklettern, gibt in diesem Interview spannende Einblicke in seine Sportart. Er spricht über die Besonderheiten des Speedkletterns, die mentale Herausforderung und die Trainingsmethoden, die ihn an die Weltspitze gebracht haben. Ein Muss für alle, die mehr über diesen rasanten Sport erfahren möchten.

Ein Tag im Leben eines Speedkletterers

Ein Wettkampftag im Speedklettern ist oft auf zwei Tage aufgeteilt. Am ersten Tag gibt es zwei Probeläufe, um sich an die Wand und die Griffe zu gewöhnen. Obwohl die Wände genormt sind, gibt es immer kleine Unterschiede. Danach folgen zwei Qualifikationsläufe, bei denen man versucht, so schnell wie möglich zu sein. Am nächsten Tag findet dann die Finalrunde statt, bei der die besten 16 Athleten im K.o.-System gegeneinander antreten.

Im Finale geht es schnell. Die Pausen zwischen den Läufen sind kurz, oft nur fünf Minuten. In der Qualifikation kann es aber auch mal 40 bis 45 Minuten dauern, bis man wieder dran ist. Das ist nicht unbedingt einfacher, da man dann wieder komplett aufwärmen muss.

Die Bedeutung von Kraft und Mentalität

Speedklettern ist keine Ausdauersportart im herkömmlichen Sinne. Es geht um maximale Schnellkraft und Explosivität über wenige Sekunden. Man ist zwar kurz außer Atem, erholt sich aber schnell wieder. Das Wichtigste ist die Explosivität, aber auch der Kopf spielt eine große Rolle.

Schlüssel zum Erfolg:

  • Mentale Stärke: Das Eins-gegen-Eins-System ist sehr intensiv. Man muss mental voll da sein, denn es gibt keinen Raum für Fehler. Jeder Fehltritt kann das Aus bedeuten.
  • Perfektion: Es geht darum, mit voller Kraft und Geschwindigkeit auf kleine Griffe zu treten, um das Tempo zu halten. Das erfordert höchste Präzision.
  • Fokus: In den entscheidenden fünf Sekunden muss der Fokus komplett auf dem Lauf liegen. Ablenkungen sind fatal.

Es ist wichtig, sich auf die eigene Leistung zu konzentrieren und nicht auf den Gegner. Egal, ob der andere schneller oder langsamer ist, man muss seine eigene Bestleistung abrufen. Nach dem Lauf schaut man zuerst auf die Zeit, die direkt über dem Ziel angezeigt wird. Grün bedeutet Sieg, Rot bedeutet Niederlage.

Training und Technik

Die Speedkletterwand ist immer gleich aufgebaut: gleiche Neigung, gleiche Griffe. Es ist wie ein Sprint über 15 Meter nach oben. Sebastian kam zum Speedklettern, weil es Teil eines Wettkampfzirkels war, in dem er früher unterwegs war. Er hatte sofort Spaß daran, weil es schnell ist und man an einzelnen Bewegungen arbeitet. Das Gefühl, in seiner Zone zu sein und schneller zu werden, ist einfach toll.

Sebastian hat auch Bouldern und Leadklettern ausprobiert, ist aber beim Speedklettern geblieben. Die Fingerkraft ist im Speedklettern nicht so entscheidend, da die Griffe relativ groß sind und man sie nicht lange festhält. Es geht eher darum, die Griffe schnell zu berühren und wieder loszulassen.

Trainingsmethoden:

  • Leichtathletik-Elemente: Skippings, Sprints und Sprungeinheiten für die Beine.
  • Krafttraining: Grundübungen wie Klimmzüge, Bankdrücken, Kniebeugen und Kreuzheben. Das Training ist periodisiert, um Schnellkraft aufzubauen.
  • Campusboard: Spezifisches Kletterschnellkrafttraining, bei dem man an runden Holzleisten verschiedene Bewegungen ausführt, ähnlich wie Skippings für die Hände.

Der Start ist entscheidend. Man hat ein Signal aus drei Tönen. Nach dem letzten Ton hat man 0,1 Sekunden Zeit, um zu reagieren. Eine Reaktionszeit von 0,14 Sekunden ist sehr gut, während 0,30 Sekunden schon viel Zeit kosten können. Das mentale Training ist hier sehr wichtig, um den Kopf auszuschalten und sich voll auf die Bewegung zu konzentrieren.

Wettkämpfe und die Zukunft des Sports

Sebastians persönliche Bestzeit liegt bei 5,11 Sekunden. Er erreichte diese Zeit in China, wo er die Wand und die Organisation bereits kannte. Das gab ihm die Möglichkeit, sich voll auf sich selbst zu konzentrieren. Ein gutes Wintertraining und die Fähigkeit, die Trainingsleistung im Wettkampf abzurufen, waren ebenfalls entscheidend.

Die Wände können sich in ihrer Beschichtung unterscheiden, was die Reibung beeinflusst. Manche Wände sind sehr griffig, andere weniger. Auch die Stabilität der Wand spielt eine Rolle. Mobile Wände können leicht mitschwingen, was das Klettergefühl verändert.

Das Publikum ist wichtig, besonders bei Heimwettkämpfen. Anfeuerungen während des Kletterns nimmt Sebastian nicht wahr, aber die Interaktion mit bekannten Gesichtern vor dem Lauf kann helfen, Anspannung abzubauen. Es macht Spaß, vor vielen Leuten zu klettern, aber es ist nicht entscheidend für die Leistung.

Im besten Fall passiert im Kopf während des fünfsekündigen Laufs gar nichts. Sobald man anfängt zu denken, passieren Fehler. Man trainiert, den Kopf auszuschalten und dem Körper die Kontrolle zu überlassen. Sebastian arbeitet mit einem Sportpsychologen zusammen, um mit Druck umzugehen und Routinen zu entwickeln, die flexibel sind.

Im deutschen Kader gibt es eine Mischung aus Freundschaft und Konkurrenz. Sebastian und Leander Karmann, der den deutschen Rekord hält, pushen sich gegenseitig. Der Weltrekordhalter Samuel Watson ist eine Klasse für sich. Er ist jung, schnell und konstant. Es ist schwer zu sagen, wo die Grenze im Speedklettern liegt, aber Sebastian glaubt, dass noch schnellere Zeiten möglich sind, vielleicht sogar unter 4,5 Sekunden.

Der Hotspot des Speedkletterns ist schwer zu bestimmen, da viele Wettkampforte ihre Besonderheiten haben. Indonesien hat eine große Speedkletterkultur, China viele starke Athleten und die USA eine tolle Stimmung. Für das Training ist Salt Lake City in den USA ein wichtiger Ort, da dort viele starke Athleten zusammen trainieren und sich gegenseitig motivieren.

Der Sport soll populärer werden. Mobile Wände werden an öffentlichen Orten aufgebaut, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Dieses Jahr gibt es mehrere solcher Events in Deutschland, zum Beispiel in St. Wendel, Bad Wimpfen, Düsseldorf und Hamburg. Sebastian ist optimistisch, dass diese Events dem Sport helfen werden.

Die Nicht-Qualifikation für Olympia in Paris war enttäuschend, obwohl Sebastian einen deutschen Rekord aufstellte. Das zeigt, wie hoch das Niveau im internationalen Speedklettern ist. Das deutsche Team ist noch jung, aber auf dem Weg, sich in der Weltspitze zu etablieren. Sebastian hat LA 2028 im Blick und will dann nicht nur knapp dran sein.

Sebastian wird bei den Finals in Dresden dabei sein, die vor der Frauenkirche stattfinden. Er hofft auf seinen zweiten deutschen Meistertitel. In seiner Freizeit klettert er selten draußen, da er viel reist und in Düsseldorf wohnt. Wenn er aber die Möglichkeit hat, genießt er es, in der Natur zu sein und abzuschalten. Im Alltag ist Sebastian eher entspannt und nimmt sich Zeit für Dinge wie Einkaufen, da er im Sport genug Stress hat.

Sebastian hat in den nächsten Wochen noch einige Wettkämpfe, darunter ein Weltcup in Frankreich und die deutsche Meisterschaft. Wer ihn sehen möchte, kann ihn in St. Wendel besuchen. Bleibt gesund und viel Erfolg!

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