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Sportstunde – Interview komplett Martin Heuberger, Handball Bundestrainer DHB Nachwuchs

Die deutsche Handballjugend feiert einen historischen Erfolg: Die U19-Junioren sind Weltmeister geworden! Dies ist das erste Mal in der Geschichte des deutschen Handballs, dass eine solche Leistung erzielt wurde. Wir sprechen mit Martin Heuberger, einem der erfolgreichsten Nachwuchstrainer, über diesen Triumph.

Martin Heuberger stellt gleich zu Beginn klar, dass er bei der U19-Weltmeisterschaft in Ägypten als Delegationsleiter und Co-Trainer fungierte. Der eigentliche Trainer war Erik Wutke, unterstützt von Fabian Gramatke. Trotzdem blickt Heuberger auf eine beeindruckende Bilanz von drei Weltmeister- und drei Europameistertitel mit Nachwuchsmannschaften zurück.

Die Rolle von Martin Heuberger

Heubergers Aufgaben bei der WM waren vielfältig. Da die Jahrgänge alle zwei Jahre wechseln, nutzte er die WM als Gelegenheit, die zukünftige Juniorenmannschaft zu beobachten. Er war als "Mädchen für alles" im Einsatz: Delegationsleiter, Pressebeauftragter, Organisator für Visa-Angelegenheiten und Betreuer der Torhüter. Er tauschte sich regelmäßig mit dem Trainerteam aus und kümmerte sich um organisatorische Dinge wie Essens- und Abfahrtszeiten sowie Video-Downloads, was bei der Internetverbindung in Kairo nicht immer einfach war.

Das Finale gegen Spanien

Das Finale gegen Spanien war ein absolutes Nervenspiel. Nach zweimaliger Verlängerung und einem dramatischen Siebenmeterschießen konnte sich Deutschland glücklich durchsetzen. Das Spiel war an Spannung kaum zu überbieten, mit einem Rückstand von drei Toren in der zweiten Verlängerung, den die Mannschaft aber noch aufholen konnte. Heuberger betont, dass eine solche Mentalität, niemals aufzugeben, zwar trainiert werden kann, aber vor allem durch Gespräche und das Vertrauen des Trainers gefördert wird. Erik Wutke habe hier einen hervorragenden Job gemacht, indem er den Spielern stets sein Vertrauen aussprach.

Führungsspieler und Teamgeist

Auch in der U19 gibt es Führungsspieler, aber Heuberger hebt hervor, dass auch Spieler, die vielleicht eine untergeordnete Rolle einnehmen, für den Erfolg einer Mannschaft unerlässlich sind. Er spricht von "Indianern", die die Drecksarbeit machen. Das Team bestand aus unterschiedlichen Charakteren, wobei jeder seine Rolle kannte und diese hervorragend ausfüllte.

Entwicklung der Mannschaft

Nach anfänglichen Unzufriedenheiten mit der Leistung, besonders in der Abwehr, zeigte die Mannschaft eine beeindruckende Entwicklung. Durch Videoanalysen und klare Ansagen der Trainer lernten die Spieler schnell und setzten die Vorgaben um. Sie steigerten sich von Spiel zu Spiel, sowohl in der Körperlichkeit als auch im Zweikampfverhalten, und passten sich dem Männerhandball an. Auch das Angriffsspiel wurde sicherer. Heuberger lobt die beiden Torhüter und die gute Zusammenarbeit im Angriff, besonders zwischen Tim Schröder und William Reichert.

Schlüssel zum Erfolg:

  • Mentale Stärke: Die Fähigkeit, auch bei Rückständen nie aufzugeben.
  • Teamgeist: Das Kollektiv überragte Einzelspieler.
  • Entwicklung: Schnelle Anpassung und Steigerung über das Turnier hinweg.
  • Torhüterleistung: Konstante und starke Leistungen im Tor.

Individuelle Auszeichnungen

Zwei Spieler wurden besonders hervorgehoben: Finn Knag wurde als bester Torhüter des Turniers ins Allstar-Team gewählt, und Tim Schröder als bester Kreisläufer. Beide Spieler zeigten konstant gute Leistungen und verdienten sich diese Anerkennung.

Feierlichkeiten und Disziplin

Die Feierlichkeiten nach dem WM-Titel waren eher dezent. Nach einer langen Siegerehrung und Dopingkontrollen ging es erst spät in die Stadt, wo gemeinsam Pizza gegessen wurde. Erst im Hotel gab es das erste Siegerbierchen, bevor es am nächsten Morgen früh weiter zum Flughafen ging. Heuberger selbst sieht sich nicht als "Feierbiest", freut sich aber, wenn die Jungs Spaß haben. Er lobt die Disziplin der Mannschaft, besonders im Hinblick auf Ernährung und Gesundheit in Kairo, wo andere Nationen Probleme hatten.

Die Arbeit mit dem Nachwuchs

Martin Heuberger arbeitet seit 2018 im Juniorenbereich des DHB und hat diese Aufgabe als seine "Lieblingsbeschäftigung" bezeichnet. Er genießt es, Spieler über zwei Jahre zu begleiten und ihnen Tipps zu geben. Im Nachwuchsbereich stehe noch der Sport im Vordergrund, im Gegensatz zum Männerbereich, wo oft andere Interessen eine Rolle spielen.

Unterschiede zwischen den Generationen

Im Vergleich zu seiner Anfangszeit als Juniorentrainer (2004-2011) stellt Heuberger fest, dass die heutigen jungen Spieler athletischer sind und einen höheren Trainingsumfang haben. Spielerisch gebe es jedoch keine großen Unterschiede. Die heutigen Spieler seien fokussierter auf Leistungssport und professioneller in ihrer Herangehensweise. Sie hinterfragen auch mehr, was Heuberger nicht als Nachteil sieht, sondern als Zeichen von Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft.

Der Weg in die A-Nationalmannschaft

Heuberger schätzt das Potenzial von drei bis vier Spielern aus dem aktuellen Kader, es in die A-Nationalmannschaft zu schaffen. Er hofft, dass die Spieler hungrig bleiben und sich weiterentwickeln. Eine gute Zusammenarbeit mit der Liga ist hierbei entscheidend, damit die Talente entsprechende Spielzeiten in der ersten oder zweiten Liga erhalten. Er kritisiert, dass in der Bundesliga oft noch zu wenig Vertrauen in junge Talente gesetzt wird und mittelmäßige ausländische Spieler deutschen Nachwuchsspielern den Platz wegnehmen.

Die Rolle der Vereine und der Liga

Die Ausbildung der Spieler findet hauptsächlich in den Vereinen statt. Heuberger sucht den Austausch mit den Vereinen, um die Spieler individuell weiterzuentwickeln. Er plant eine erste Maßnahme im September mit Kraft- und Schnelligkeitsdiagnostik, gefolgt von Länderspielen gegen Ungarn. Das Ziel ist es, Spieler für die A-Nationalmannschaft auszubilden und langfristig in der Weltspitze mitzuspielen.

Handball in Deutschland

Der Erfolg der A-Nationalmannschaft sorgt für einen "Hype" und zieht mehr Jugendliche zum Handball. Trotzdem gibt es im Nachwuchsbereich nicht mehr die gleiche Breite wie früher, was auch auf die Corona-Zeit zurückzuführen ist. Der DHB unternimmt jedoch Anstrengungen zur Talentförderung, um im Wettbewerb mit anderen Sportarten bestehen zu können.

Zusammenarbeit mit Alfred Gislason

Bundestrainer Alfred Gislason zeigt großes Interesse an der Nachwuchsarbeit und steht im Austausch mit Heubergers Team. Er glaubt an das Potenzial der U19-Weltmeister und sieht einige Spieler in der Zukunft in der A-Nationalmannschaft. Die Zusammenarbeit zwischen Nachwuchs- und Herrenbereich ist entscheidend für die Weiterentwicklung des deutschen Handballs.

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