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Sportstunde – Interview komplett Malte Scholz
Schiedsrichter sind das Rückgrat jedes Sports, doch oft stehen sie im Schatten, als die „Sündenböcke der Nation“. Im American Football ist das Ansehen von Unparteiischen anders. Malte Scholz, Referee in der European League of Football (ELF), teilt seine Erfahrungen und Einblicke in diese oft missverstandene Rolle.
Der Weg zum American Football Schiedsrichter
Malte Scholz begann seine Schiedsrichterkarriere schon mit 15 Jahren. Ein früher Förderer, Roland Matern, erkannte sein Potenzial und ermutigte ihn, diesen Weg einzuschlagen. Nach einer fundierten Ausbildung und Erfahrungen in der German Football League (GFL) wurde Malte auf die Gründung der ELF aufmerksam. Eine Anfrage von Martin Hanselmann führte dazu, dass er sich der neuen Liga anschloss und dort schnell die Rolle des Head of Officiating übernahm.
Seine eigene Spielerkarriere musste Malte aufgrund einer Schulterverletzung beenden. Doch diese Einschränkung ermöglichte es ihm, sich voll und ganz auf seine Schiedsrichteraufgaben zu konzentrieren und seine Rolle in der ELF auszubauen.
Das Standing von Schiedsrichtern im American Football
Im Vergleich zum Fußball empfindet Malte die Situation für Schiedsrichter im American Football als deutlich angenehmer. Während im Fußball Schiedsrichter oft starker Kritik und persönlichen Angriffen ausgesetzt sind, herrscht im American Football ein grundlegender Respekt vor den Unparteiischen. Malte vergleicht die respektvolle Kommunikation im Football sogar mit der im Rugby, wo Spieler und Schiedsrichter oft auf Augenhöhe interagieren.
Er schätzt die offene Kommunikation mit Spielern, Coaches und Fans, die auf einem hohen Niveau stattfindet. Auch wenn Emotionen im intensiven Kontaktsport American Football dazugehören, lernen Schiedsrichter, professionell damit umzugehen. Sie holen Spieler ab, kommunizieren klar und nutzen ihre Stimme gezielt, um die Situation zu deeskalieren. Die Kommunikation beginnt oft schon vor einer potenziellen Regelwidrigkeit, um Eskalationen zu vermeiden.
Schlüssel-Erkenntnisse:
- Ein Grundrespekt vor Schiedsrichtern prägt den American Football.
- Offene Kommunikation zwischen Schiedsrichtern, Spielern und Coaches ist üblich und wird geschätzt.
- Schiedsrichter lernen, mit Emotionen umzugehen und deeskalierend zu wirken.
Umgang mit Kritik und Fehlern
Kritik, auch in Form von Shitstorms in sozialen Medien, gehört zum Alltag eines Schiedsrichters. Malte betont, dass es wichtig ist, diese Kritik nicht persönlich zu nehmen. Er rät dazu, sich Situationen nochmals anzusehen und zu analysieren, ob tatsächlich ein Fehler vorlag. Fehler passieren, und das ist Teil des Spiels. Wichtig ist, daraus zu lernen und sich stetig zu verbessern.
Er hebt hervor, dass die Schiedsrichterteams nicht fix sind und dass es keine „Malte und seine Crew“ gibt. Stattdessen wird Wert auf eine ausgewogene Zusammensetzung gelegt, bei der jeder Regelkenner und Motivator ist. Die Fans haben oft nicht das gleiche Regelwissen, was zu Missverständnissen führen kann. Hier setzen Schiedsrichter wie Malte an, um durch Aufklärung und Kommunikation das Verständnis für die Regeln zu fördern.
Das Regelwerk und die Schiedsrichter-Crew
Das Regelwerk im American Football ist komplex und umfangreich. Malte vergleicht es mit einem dicken Buch, das ständige Beschäftigung erfordert. Nach der Saison beginnt die Vorbereitung mit der Analyse von Regeländerungen. Die Schiedsrichter sind ständig im Austausch, um auf dem neuesten Stand zu bleiben und die Regeln korrekt anzuwenden.
Auf dem Feld sind in der ELF sechs Schiedsrichter im Einsatz, ähnlich wie in der NFL. Jeder hat seine spezifische Rolle, vom Referee mit der weißen Mütze, der die Kamera auf sich zieht, bis zu den Linienrichtern und den tiefen Schiedsrichtern für Pässe. Unterstützt werden sie von Replay Officials und Clock Officials im Büro, die zusätzliche Sicherheit und Korrekturen ermöglichen.
Balance zwischen Beruf, Familie und Schiedsrichterei
Die meisten Schiedsrichter im American Football üben diese Tätigkeit neben ihrem Hauptberuf aus. Das erfordert viel Engagement und die Unterstützung der Familie. Malte bedankt sich bei seiner Familie und Freundin, die ihm ermöglichen, seiner Leidenschaft nachzugehen, auch wenn das bedeutet, dass Wochenenden oft geteilt sind.
Die Koordination von Spielansetzungen, Reisen und Vorbereitungen ist ein logistischer Aufwand. Dennoch ist es wichtig, einen Ausgleich zu haben, da dies auch die Unabhängigkeit der Schiedsrichter sichert. Die Möglichkeit, sich auf die Schiedsrichterei zu konzentrieren, ohne den Druck eines alleinigen Einkommens, gibt Sicherheit und Souveränität.
Head of Officiating: Mehr als nur ein Spielleiter
Als Teil des „Head of Officiating“ arbeitet Malte eng mit der Liga zusammen, um die sportlichen Aspekte zu koordinieren. Dazu gehören die Ansetzungen, die Überprüfung von Spielzügen und die Sicherstellung der Konsistenz bei Entscheidungen. Ein wichtiger Teil dieser Arbeit ist die Kommunikation mit Coaches und Spielern, um einen einheitlichen Standard bei der Regelauslegung zu gewährleisten.
Das Team entwickelt auch neue Spielansätze, wie den „Kickoff“, der in Zusammenarbeit mit Teams weiterentwickelt und teilweise sogar von der NFL übernommen wurde. Diese Arbeit erfordert viel Leidenschaft und Zusammenarbeit.
Der Traum von der NFL und besondere Momente
Der Traum, einmal in der NFL zu pfeifen, ist bei vielen Schiedsrichtern präsent. Malte glaubt, dass die Chancen für europäische Schiedsrichter in Zukunft steigen werden. Er erinnert sich besonders gerne an ein Meisterschaftsspiel, bei dem er einem kranken Kind seine Schiedsrichterflagge schenkte. Dieser Moment, die Freude des Kindes und die Unterstützung der Football-Familie, hat ihn tief berührt und gezeigt, was Football emotional und familiär bedeutet.
Malte ermutigt jeden, sich für den Sport zu engagieren, sei es als Fan oder als Schiedsrichter. Er betont, dass Fehler passieren, aber wichtig ist der gegenseitige Respekt und die offene Kommunikation, die den American Football so besonders machen. Gemeinsam kann man daran arbeiten, das Verständnis füreinander zu stärken und diesen Sport weiter voranzubringen.
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