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Sportstunde – Interview komplett Dr Florian Exner, Fussball DFB Schiedsrichter
Die neue Fußballsaison steht vor der Tür und während sich Spieler und Trainer auf die kommende Spielzeit vorbereiten, werfen wir einen Blick auf die Schiedsrichter. Heute sprechen wir mit Dr. Florian Exner, einem Bundesliga-Schiedsrichter, der uns Einblicke in seine erste Saison in der höchsten deutschen Spielklasse gibt.
Ein Schiedsrichter im Fußballcamp
Florian Exner berichtet von einem Besuch in einem Fußballcamp für Kinder und Jugendliche in Freckenhorst. Anders als bei Camps für Spieler oder Trainer, wo es um Technik und Taktik geht, standen hier die Fragen der Kinder im Vordergrund. Sie wollten wissen, wie Fußballspiele ablaufen, wie es ist, mit Stars wie Harry Kane zu sprechen und ob er auf Englisch kommuniziert. Exner, der selbst erst kürzlich von einer Reise nach Ungarn zurückkehrte, fand die Fragen der jungen Fußballfans sehr interessant und gut gestellt.
Fußballsommer und Schiedsrichter-Blick
Der Sommer war für Fußballfans ereignisreich mit der U21-EM und der Klub-WM. Florian Exner hat den Sommer jedoch etwas ruhiger angehen lassen. Nach einem Urlaub in Italien und Kroatien lag der Fokus auf der Saisonvorbereitung mit viel Training. Er gibt zu, dass er Fußballspiele nicht mehr wie ein normaler Fan genießen kann. Stattdessen achtet er automatisch auf die Leistung der Schiedsrichter und Assistenten, eine Art „Krankheit“, wie er selbst sagt. Selbst bei Spielen der Nationalmannschaft bleibt der schiedsrichterliche Blick bestehen.
Wichtige Erkenntnisse
- Schiedsrichter können Fußballspiele nicht mehr wie normale Fans genießen.
- Die Vorbereitung auf die Saison ist intensiv und beinhaltet viel Training.
- Auch im Urlaub bleibt der Fokus auf dem Schiedsrichterwesen.
Zehn Jahre auf dem Feld
Florian Exner blickt auf über zehn Jahre Erfahrung als Schiedsrichter zurück, angefangen in der Regionalliga West. Er hat sich in dieser Zeit stark weiterentwickelt und ist ruhiger geworden. Im Vergleich zu erfahrenen Kollegen wie Deniz Aytekin sieht er sich selbst noch in der Entwicklung, besonders im ersten Bundesligajahr, wo er im Zweifel eher strenger agiert.
Umgang mit Fehlern und Kritik
Fehler nehmen Exner sehr mit, besonders wenn sie durch den Videobeweis korrigiert werden müssen. Er hat großen Respekt vor Schiedsrichtern, die regelmäßig auf internationalem Niveau pfeifen. Nach Spielen, besonders nach Abendspielen, fällt es ihm schwer abzuschalten. Er spricht Fehler oft mit seinem Coach durch, um daraus zu lernen, kann sie aber nicht so schnell abhaken.
Die Psyche des Schiedsrichters
Um Schiedsrichter zu werden, braucht man laut Exner eine gewisse Verrücktheit. Obwohl es mittlerweile auch ein Hauptjob mit Verdienstmöglichkeiten ist, steht für viele die Freude am Spiel und die gemeinsame Tätigkeit im Vordergrund. Das Wichtigste für einen Schiedsrichter ist, dass nach dem Spiel niemand mehr über ihn spricht. Öffentliches Lob ist selten, und man muss lernen, damit umzugehen.
Interne Kommunikation und Feedback
Innerhalb der Schiedsrichter-Gemeinschaft gibt es regelmäßiges Feedback durch Beobachter und Coaches. Bei guten Leistungen gibt es Lob von der sportlichen Leitung. Bei strittigen Situationen erhält er oft aufmunternde Nachrichten von Kollegen. Unterschiedliche Meinungen zu Spielszenen mit Vorgesetzten sind normal und führen zu Reflexion und Weiterentwicklung.
Der Anwalt auf dem Feld
Exners Beruf als Anwalt hilft ihm auch auf dem Spielfeld. Die Konzentration und Disziplin, die im juristischen Bereich gefordert sind, überträgt er auf seine Schiedsrichtertätigkeit. Er glaubt, dass dies ihn manchmal konsequenter macht, aber er sieht darin einen positiven Einfluss auf seine Leistung.
Vom Spieler zum Schiedsrichter
Florian Exner hat selbst Fußball gespielt, schaffte es aber nur bis zur Kreisliga. Mit 18 Jahren musste er seine Spielerkarriere beenden, um sich auf die Schiedsrichterei zu konzentrieren. Er fand schon früh Spaß daran, neue Leute kennenzulernen und die Herausforderung anzunehmen, auch gegen ältere Spieler zu pfeifen. Die Schiedsrichterei machte ihm mehr Spaß als das Spielen.
Aufstieg in die Bundesliga
Ein besonders erfolgreiches Jahr war 2013/2014, als er innerhalb einer Saison von der Landesliga in die Regionalliga aufstieg. Mit 23 Jahren in der Regionalliga keimte die Hoffnung auf einen weiteren Aufstieg. Der Weg in die 3. Liga war schwierig, aber er genoss jede neue Liga. Das Probespiel für die Bundesliga im April war ein wichtiger Schritt, der schließlich zum Aufstieg führte.
Die Umstellung auf den Videobeweis
Die Einführung des Videobeweises war eine große Umstellung. Anfangs war es schwierig, sich auf den Monitor zu setzen und eigene Fehler einzugestehen. Mittlerweile ist er damit besser vertraut. Der Videobeweis gibt ihm Sicherheit, besonders im Vergleich zur 3. Liga, wo man Entscheidungen lange nicht überprüfen kann.
Erste Liga vs. Untere Ligen
Der größte Unterschied zwischen der 1. und 2. Liga liegt im Spieltempo und der Erwartungshaltung. In der Bundesliga wird oft erwartet, dass weitergespielt wird, auch in Grenzsituationen. Der Umgang mit den Spielern ist in den unteren Ligen ähnlich, aber die mediale Präsenz ist in der Bundesliga ungleich höher. Spieler in unteren Ligen erkennen ihn oft und wissen um seine Bundesliga-Erfahrung.
Das Probespiel für die Bundesliga
Das Spiel Hoffenheim gegen Augsburg am 7. April war ein entscheidendes „Testspiel“ für Exners Bundesliga-Karriere. Die Anspannung war enorm, besonders da die Medien bereits über seine Ansetzung berichteten. Trotz des Drucks verlief das Spiel ruhig, und er konnte die Entscheidung des DFB positiv beeinflussen.
Der Weg zur Bundesliga-Lizenz
Die Nachricht über seinen Aufstieg in die Bundesliga erhielt Exner kurz vor der offiziellen Bekanntgabe. Nach einem Online-Meeting mit den DFB-Verantwortlichen musste er Stillschweigen bewahren, was ihm nicht leichtfiel. Die Erleichterung und Freude waren groß, als er die Bestätigung erhielt.
Internationale Einsätze und Ziele
Neben seinen 12 Bundesliga-Einsätzen in der letzten Saison sammelte Exner auch Erfahrungen als vierter Offizieller bei internationalen Spielen. Obwohl die Regel eigentlich zwei Jahre Bundesliga-Erfahrung vorsieht, wurde er aufgrund von Personalmangel frühzeitig eingesetzt. Sein Hauptziel für die kommende Saison ist es, sich in der Bundesliga zu etablieren und interessante Spiele zu leiten. Ein Fernziel ist die internationale Schiedsrichterkarriere.
Träume und Realitäten
Exner träumt von einem Pokalfinale, während Champions League und WM-Finale aufgrund seines Alters und der benötigten Erfahrung eher unrealistisch sind. Er hofft, in einigen Jahren das Pokalfinale in Berlin leiten zu können. Ein besonderer Wunsch ist es, ein südamerikanisches Derby live zu erleben, vielleicht in Buenos Aires.
Zusammenhalt im Schiedsrichterteam
Im Schiedsrichterteam herrscht ein guter Zusammenhalt. Auch wenn Konkurrenz besteht, gibt es keine negativen Gefühle untereinander. Abends werden oft Spiele wie Wizard oder Tischkicker gespielt. Der Zusammenhalt ist wichtig, um die Belastungen des Berufs gemeinsam zu meistern.
Saisonstart und Ausblick
Der Saisonstart steht bevor, und Exner weiß noch nicht, ob er am ersten Spieltag der 2. oder 3. Liga eingesetzt wird. Er hofft auf eine gute Saison mit vielen Spielen, neuen Stadien und wenig medialer Aufmerksamkeit. Das größte Lob wäre für ihn, wenn er als unauffälliger, aber guter Schiedsrichter wahrgenommen wird.
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