Connect with us

Neue Episode

Sportstunde – Interview komplett Christopher Nordmeyer (Bundestrainer) + Lena Lindemann (Torfrau) U19 Europameister

Es klingt fast wie eine Krimiserie: Soko Handball mit Kommissar Nordmeyer und Lindemann. Aber keine Sorge, das ist Christopher Nordmeyer, der Bundestrainer, und Lena Lindemann, die Torfrau der U19 Frauen-Nationalmannschaft. Beide sind frischgebackene Europameisterinnen und haben sich die Zeit für ein Gespräch genommen. Herzlichen Glückwunsch zu diesem historischen Erfolg!

Die ersten Tage nach dem Titelgewinn sind wohl noch etwas unwirklich. "Es ist alles noch nicht so richtig angekommen", erzählt Lena. "Wir wissen, dass wir Europameister sind, aber was wir wirklich geleistet haben, das realisiert man nicht sofort." Christopher Nordmeyer, der seit 2022 die Juniorinnen fördert, sieht es ähnlich: "Es war keine Mission, die wir erfüllen mussten, es war einfach ein richtig gutes Erlebnis." Man sei im Turnier "im Jetzt geblieben", konzentriert auf die Spiele, und jetzt, wo alles vorbei ist, "fällt das einfach ab".

Wann wurde der EM-Titel greifbar?

Die Frage, ab wann sie an den Titelgewinn geglaubt haben, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Lena meint, dass sie als Mannschaft "step by step" denken. Das Ziel war klar, Europameister zu werden, aber der Weg dorthin war steinig. "Nach Montenegro, nach dieser Hölle in der Halle, wo wir ausgepfiffen wurden, und dann noch Dänemark zu besiegen, da dachten wir, okay, es kann möglich sein." Aber dann kam Spanien, "eine unfassbar starke Mannschaft". Trotzdem habe die Mannschaft "Vertrauen in sich selber", auch wenn sie zurücklagen, und die zweite Halbzeit sei oft die stärkere gewesen.

Christopher Nordmeyer bestätigt, dass die Ergebnisse in der Vorbereitung schon gut waren. "Gegen Frankreich haben wir unentschieden gespielt, gegen Dänemark gewonnen, gegen Spanien auch." Aber die Vorbereitung sei etwas anderes als ein Turnier unter Druck. "Für mich war der Knackpunkt, dass wir immer so eine schwere Aufgabe als nächstes hatten, dass wir gar nicht so viel denken konnten, wie es weitergeht." Der Sieg im Halbfinale gegen Dänemark, "womit ich ehrlich gesagt selber nicht gerechnet habe", war dann der Moment, wo er dachte: "Okay, egal wie gut Spanien ist, die müssen wir jetzt irgendwie auch noch weghauen."

Das Finale – Ein Krimi in der zweiten Halbzeit

Im Finale lagen die deutschen U19-Handballerinnen 13:17 zurück. Lena Lindemann hatte mit 13 Paraden einen großen Anteil daran, dass das Spiel noch gedreht werden konnte. "Ich weiß gar nicht, was genau Chris gesagt hat, weil die Trainer mal draußen bleiben", erklärt Lena. Sie selbst habe mit Markus Gaugisch gesprochen, der ihr Tipps gab. "Man hat einfach gemerkt, dass wir das auch mehr wollen, dass wir hinten in der Abwehr mehr Aktion hatten." Wenn es hinten läuft, läuft es auch vorne besser, und mit Tempo konnte man Spanien "an die Wand spielen". In den letzten zehn Minuten habe Spanien "nicht viele Tore gemacht", und man sah den Spanierinnen an, dass sie "daran gedacht haben, oh, gleich wird’s knapp".

Christopher Nordmeyer erinnert sich an die Halbzeitansprache: "Wir haben zu viele Tore bekommen, weil die Spanierinnen wenig Gegenstoß spielen." Man wollte es mit einer 6-0-Abwehr versuchen und der Torhüterin Lena "ein bisschen mehr helfen", damit die Schüsse "strukturierter und kontrollierter" kommen. "Und das hat sie dann schon gut umgesetzt." Er betont die Qualität der Mannschaft, die an das glaubt, was gesagt wird, und es umsetzt. "Das heißt nicht, dass ich immer was Richtiges sage, aber die Mannschaft hat eigentlich kein Gap zwischen dem, was wir verabreden und dem, was wir dann machen."

Wichtige Erkenntnisse:

  • Die Mannschaft zeigte große Resilienz und glaubte auch bei Rückständen an sich.
  • Die zweite Halbzeit war oft die stärkere Phase des Teams.
  • Die Kommunikation zwischen Trainerteam und Spielerinnen funktionierte sehr gut.
  • Der Teamgeist und die gemeinsame Zielverfolgung waren entscheidend für den Erfolg.

Lena lobt die Kommunikation mit dem Trainerteam. "Wenn man dann wirklich drauf hört, merkt man eigentlich, dass man da mehr Erfolg hat." Christopher Nordmeyer ergänzt, dass es ein "Player Players Game" sei. "Wir können von draußen viel sagen, die müssen das auf dem Feld umsetzen." Er ist begeistert von der "Resilienz der Mannschaft in diesen schwierigen Situationen", die nicht nur vom Trainer abhänge, sondern auch vom eigenen Mindset.

Auch die Torwarttrainerin Klara Woltering wird gelobt. "Unnormal", sagt Lena, wie sehr sie ihr hilft, "alleine Videoanalysen mit ihr zu besprechen oder einfach eine vertraute Person da auf der Bank zu haben". Sie habe nicht nur als Torwarttrainerin, sondern auch als "Stimmungsmacher" fungiert.

Der Weg nach dem Erfolg

Christopher Nordmeyer betont, dass die Mannschaft "hoch professionell" sei und sich alle Spielerinnen dem Ziel untergeordnet hätten. "Da gab es irgendwie zwischen uns keine Stress." Er glaubt, dass dies auch ein Teil des Erfolgs ist. Lena beschreibt die Mannschaft als "sehr homogen". "Natürlich gibt’s mal, wenn man drei Wochen aufeinander ist, bisschen Streitigkeiten, aber das wirkt dann ein bisschen wie Geschwisterkrieg." Man spreche direkt miteinander.

Der Bundestrainer blickt nach vorn: "Der erste Tag nach der Europameisterschaft ist der erste Tag der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft." Man wolle als Mannschaft weitermachen. Lena freut sich auf die neue Saison und die Herausforderungen. "Es ist nicht einfach, aber es ist was Neues und es bringt einen einfach weiter."

Für Lena sind die größten Erfahrungen aus dem Turnier das gewonnene Selbstbewusstsein und die mentale Stärke. "Auch mit Katja hatten wir, also mit unserer Psychologin hatten wir viel Vorbereitung gemacht." Sie nimmt viel "Mentalität" mit, aber auch "sportlich" und "persönliche Sachen". "Ich kann es", das sei ein "riesen gutes Gefühl". Sie will sich in ihrer neuen Mannschaft in der zweiten Liga beweisen und "viel Spielerfahrung haben".

Christopher Nordmeyer hofft, dass der Erfolg im Nachwuchsbereich dem Frauenhandball "einen Push gibt". Er kritisiert, dass der Sport oft "unter dem Radar läuft" und wichtige Spiele nicht auf großen Sendern übertragen werden. "Das, was wir leisten, ist sehr, sehr guter Handball. Da muss man nicht mal sagen Frauenhandball. Das ist sehr guter Handball." Er findet es "schlimm", wenn die Qualität als minderwertig angesehen wird. "Manche Leute sollen es einfach nur genießen, wenn sie es sehen wollen, aber es ist auf jeden Fall attraktiv."

Die Frage nach dem Musikgeschmack in der Kabine kommt auf. Lena verrät, dass die Kreisläuferinnen Eline und Laura die DJs sind. "Aber der Wolfgang Petri, der kam auch schon öfters in unserer Kabine vor." Christopher Nordmeyer kann mit dem Musikgeschmack leben: "Das Wichtige ist ja, dass sie Spaß haben." Die Party nach dem EM-Sieg fand auf der Terrasse des Hotels statt, mit Eltern, Trainern und der Mannschaft. "Wir haben einfach gesungen, gefeiert, mit den Eltern geredet, mit den Trainern gefeiert, getanzt. Ganz harmonisch."

Nach dem Urlaub geht es für Christopher Nordmeyer weiter. Ein Großteil des Kaders wird voraussichtlich wieder eingeladen. "Wir freuen uns auf diesen Termin." Auch Lena beginnt bald wieder mit der Vorbereitung für ihre neue Aufgabe in der zweiten Liga, mit dem Ziel aufzusteigen. "Es wird ein harter Kampf", sagt sie, "aber unser Ziel ist auf jeden Fall in den nächsten Jahren aufzusteigen."

Beide wünschen sich und dem deutschen Frauenhandball mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung. Der Erfolg der U19-Mannschaft ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Anzeige

Interviews

Podcasts

Mehr zu Neue Episode