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Sportstunde – Interview komplett Alica Gebhardt, Rettungsschwimmen Athletin
Die World Games stehen vor der Tür und wir werfen einen Blick auf eine Sportart, die vielleicht nicht jedem sofort geläufig ist: Rettungsschwimmen. Um mehr darüber zu erfahren, haben wir mit Alisa Gebhardt gesprochen, einer der erfolgreichsten deutschen Rettungsschwimmerinnen. Sie gibt uns einen Einblick in diese spannende und oft unterschätzte Disziplin.
Was ist Rettungsschwimmen eigentlich?
Rettungsschwimmen ist mehr als nur Schwimmen. Es ist eine Sportart, die verschiedene Rettungssimulationen beinhaltet und bei der es auf Schnelligkeit und Technik ankommt. Alisa erklärt, dass es sowohl Pool- als auch Ocean-Disziplinen gibt. Die Pool-Disziplinen umfassen sechs Einzelwettbewerbe und Staffeln. Ein bekanntes Beispiel ist der "200m Super Lifesaver", der sich wie ein Actionfilm anhört.
Die Wettkämpfe sind im Grunde Rennen gegen die Zeit. Ähnlich wie bei den Olympischen Spielen im Schwimmen, springen die Athleten ins Wasser und wer am schnellsten ist, gewinnt. Oft müssen dabei auch Puppen gerettet werden, die entweder mit Wasser gefüllt sind und zwischen 40 und 50 kg wiegen, oder leichter sind und in einen Gurtretter eingehängt werden.
Alisas Weg zum Rettungsschwimmen
Alisa hat das Schwimmen bei der DLRG gelernt und fand dort ihren Weg in den Wettkampfsport. Sie hat nie ernsthaft eine Karriere als reine Schwimmerin angestrebt, sondern ist im Rettungssport "groß geworden". Was sie daran fasziniert? Die Abwechslung und die Spannung. Sie mag es, sowohl im Pool als auch im Freiwasser, also im Meer oder in Seen, unterwegs zu sein. Das Spektrum des Sports ist breit gefächert.
Vielfalt der Disziplinen
Rettungsschwimmen ist ein sehr vielseitiger Sport. Während es bei den World Games oft um Spezialisten geht, die vielleicht nur in einer Disziplin antreten, ist das bei Welt- oder Europameisterschaften anders. Dort zählt ein breites Können. Die Athleten müssen in vielen Disziplinen gut sein, vom "200m Super Lifesaver" im Pool bis zum "90m Strandsprint".
Bei den World Games sind aktuell nur die Pool-Disziplinen vertreten. Ocean-Disziplinen waren früher auch dabei, aber das ist nicht mehr der Fall. Die deutschen Rettungsschwimmer sind laut Alisa sehr erfolgreich und gehören international zur Spitze.
Finanzielle Herausforderungen und Unterstützung
Wie in vielen nicht-olympischen Sportarten ist die finanzielle Unterstützung eine Herausforderung. Zwar gibt es einige Plätze in der Sportfördergruppe der Bundeswehr und Sporthilfe, aber die Anzahl ist begrenzt. Glücklicherweise werden die Reisen zu internationalen Wettkämpfen wie den World Games vom Verband abgedeckt, was nicht selbstverständlich ist.
Bekanntheit und Training
Die Bekanntheit des Rettungsschwimmens ist unterschiedlich. In Ländern wie Frankreich und Italien ist die Sportart bekannter, in Australien sogar sehr groß. In den USA hingegen war das Interesse bei den World Games in Birmingham eher gering. Das liegt vielleicht auch daran, dass der reine Schwimmsport dort eine größere Rolle spielt.
Die Trainingsbedingungen in Deutschland sind schwierig. Es gibt Probleme mit der Verfügbarkeit von Schwimmhallen, da diese oft für Schulschwimmen, andere Vereine oder Wasserballclubs genutzt werden. Alisa berichtet, dass es selbst für Stützpunkte und Landeskader schwierig ist, gute Wasserzeiten zu bekommen.
Mehr Aufmerksamkeit für den Sport
Um den Sport bekannter zu machen, ist mediale Aufmerksamkeit wichtig. Alisa freut sich über jeden Bericht und betont, dass in Orten mit aktiven DLRG-Ortsgruppen die Unterstützung durch Schwimmbäder und Landessportbünde gut ist. Viele Trainer arbeiten ehrenamtlich, was die Situation nicht einfacher macht.
Wettkampfkalender und Unterschiede zwischen Pool und Ocean
Weltmeisterschaften finden alle zwei Jahre statt, Europameisterschaften dazwischen, sodass es fast jedes Jahr einen sportlichen Höhepunkt gibt. Die Wettkampfsaison beginnt im Januar mit Qualifikationszeiträumen und deutschen Meisterschaften. Ein besonderes Highlight ist der internationale Deutschlandpokal am Jahresende, zu dem auch Teams aus Übersee anreisen.
Die Unterschiede zwischen Pool- und Ocean-Disziplinen sind groß. Ocean-Disziplinen sind oft zeitlich länger. Dazu gehören Schwimmen über einen Parcours, Rettungsboard- und Rettungs-Ski-Wettbewerbe. Es gibt auch die "Ocean Man/Woman"-Disziplinen, bei denen alle drei kombiniert werden, sowie Strand- und Staffelwettbewerbe.
Alisa mag beides, Pool und Ocean. Sie schätzt die Naturerlebnisse im Freiwasser, weiß aber auch die Vorteile einer guten Pool-Anlage zu schätzen. Die Unwägbarkeiten des Meeres sind eine andere Herausforderung als die kontrollierten Bedingungen im Pool.
Rettungseinsätze im Alltag?
Alisa hatte glücklicherweise noch keine wirklich ernsten Rettungssituationen im Alltag, in denen sie eingreifen musste. Es gab aber Momente, in denen sie Jugendlichen auf ihrem Rettungsboard geholfen hat oder bei einem Wettkampf in Warnemünde bei der Suche nach einem vermissten Kind mitgeholfen hat, indem sie eine Rettungskette bildeten.
Realitätsnähe und Nachwuchs
Die Wettkampfdisziplinen sind Leistungssport und nicht immer 100% realitätsnah. Das Schleppen einer Puppe im Kraulstil ist anders als eine echte Rettung. Dennoch sind die Athleten verpflichtet, ihre Rettungsfähigkeiten aufzufrischen und wissen, wie man in Notsituationen hilft.
Der Nachwuchs im Rettungsschwimmen ist laut Alisa gut und vielversprechend, auch wenn die Corona-Pandemie einige Schwierigkeiten mit sich gebracht hat. Sie ist optimistisch, dass der Nachwuchs stark nachkommt.
Trainingsalltag einer Rettungsschwimmerin
Alisas Trainingswoche ist intensiv. Sie trainiert fast täglich im Wasser, macht dreimal pro Woche Krafttraining und versucht, eine Einheit auf dem Rad oder beim Laufen einzubauen. Früher, als sie in der Sportfördergruppe war, trainierte sie zweimal täglich im Wasser und hatte ebenfalls dreimal die Woche Krafttraining, was ihren ganzen Tag ausfüllte.
Das Training im Wasser umfasst sowohl allgemeines Schwimmen, oft mit Flossen, als auch spezifisches Materialtraining, wenn die Wettkämpfe näher rücken. Die Puppen, die im Deutschen "Puppe" genannt werden, heißen im Englischen "Manikin".
Verband und Zukunftsperspektiven
Alisa könnte sich vorstellen, dass es für den Rettungssport vorteilhaft wäre, unter dem deutschen Schwimmverband zu laufen, um den Sport noch professioneller zu gestalten. Die DLRG leistet gute Arbeit, aber die Zugehörigkeit zu einem größeren Verband könnte zusätzliche Vorteile bringen.
Die World Games sind für Alisa ein "Mini-Olympia". Sie genießt die Atmosphäre, das Zusammenleben mit anderen Athleten und die Möglichkeit, auch andere Sportarten zu verfolgen. Die Vorbereitung auf die World Games in Chengdu beinhaltet ein Trainingslager in Hongkong zur Akklimatisierung. Sie freut sich auf die Eröffnungsfeier, auch wenn ihre Wettkämpfe sehr früh stattfinden.
Für die World Games in Deutschland in vier Jahren hofft sie auf eine noch größere Präsenz des Sports und darauf, selbst dabei sein zu können. Heimspiele sind immer etwas Besonderes. Sie ist zuversichtlich, dass Deutschland ein tolles Event ausrichten wird.
Alisa blickt voller Vorfreude auf die World Games. Sie hofft auf eine gute Leistung, vielleicht eine Medaille, aber vor allem auf eine tolle Erfahrung mit dem Team. Gesundheit sei das Wichtigste. Wir wünschen ihr viel Erfolg!
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