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Sportstunde – Interview komplett Alica Gebhardt, Rettungsschwimmen Athletin

Diese Woche werfen wir einen Blick auf eine Sportart, die vielleicht nicht jeder kennt: Rettungsschwimmen. Im Vorfeld der World Games haben wir uns mit einer der erfolgreichsten deutschen Athletinnen in dieser Disziplin unterhalten, Alica Gebhardt. Sie gibt uns einen Einblick in die Welt des Rettungsschwimmens, von den verschiedenen Disziplinen bis hin zu den Herausforderungen im Leistungssport.
Was ist Rettungsschwimmen?
Rettungsschwimmen ist mehr als nur Schwimmen. Es ist ein vielseitiger Sport, der verschiedene Disziplinen umfasst, sowohl im Pool als auch im offenen Wasser (Ocean). Die Athleten müssen Rettungssimulationen durchführen, oft mit einer Puppe, die sie aus dem Wasser retten müssen. Diese Puppen können mit Wasser gefüllt sein und wiegen zwischen 40 und 50 kg, oder sie sind leichter und werden mit einem Gurtretter befestigt.
Wichtige Erkenntnisse
- Rettungsschwimmen umfasst Pool- und Ocean-Disziplinen.
- Der "Super Lifesaver" ist eine bekannte Pool-Disziplin.
- Die Disziplinen sind zeitbasiert und ähneln dem klassischen Schwimmsport.
- Eine Puppe, die gerettet werden muss, wiegt zwischen 40 und 50 kg.
Von der DLRG zu den World Games
Alica Gebhardt hat ihre Schwimmkarriere bei der DLRG begonnen und fand ihren Weg in den Wettkampfsport. Sie betont, dass die Disziplinen abwechslungsreich und spannend sind. Besonders reizvoll findet sie die Wettkämpfe im offenen Wasser, sei es im Meer oder in Seen.
Der Sport erfordert Vielseitigkeit, obwohl sich auch Spezialisten entwickeln. Bei großen Wettkämpfen wie den World Games treten Athleten oft nur in wenigen Einzeldisziplinen und Staffeln an. Bei Welt- und Europameisterschaften ist das Team breiter aufgestellt, und die Athleten müssen in vielen Disziplinen gut sein, von Pool-Events bis hin zu Strand-Sprints.
Deutsche Erfolge und finanzielle Hürden
Die deutschen Rettungsschwimmer sind international sehr erfolgreich und zählen bei Welt- und Europameisterschaften regelmäßig zur Spitze. Finanziell ist der Sport jedoch eine Herausforderung. Zwar gibt es einige Plätze in der Sportfördergruppe der Bundeswehr und Unterstützung durch die Sporthilfe, aber die Anzahl der geförderten Athleten ist begrenzt.
Glücklicherweise werden die Reisen zu internationalen Wettkämpfen wie den World Games vom Verband abgedeckt, was nicht selbstverständlich ist.
Die Wahrnehmung von Rettungsschwimmen
Die Bekanntheit des Rettungsschwimmens variiert international. In Ländern wie Frankreich und Italien ist die Sportart gut bekannt, besonders im Ocean-Bereich. In Australien ist sie sogar sehr groß. In den USA hingegen war die Sportart bei den World Games in Birmingham weniger bekannt, was viele überraschte, angesichts der Assoziationen mit "Baywatch".
Herausforderungen im Alltag und Training
Die Verfügbarkeit von Schwimmhallen ist ein großes Problem in Deutschland. Viele Vereine und Kadergruppen kämpfen um gute Trainingszeiten. Alica Gebhardt konnte während ihrer Zeit in der Sportfördergruppe von guten Zeiten in Warendorf profitieren, merkt aber jetzt in Berlin, wie schwierig es ist, geeignete Trainingsmöglichkeiten zu finden.
Um die Sportart bekannter zu machen, ist mediale Aufmerksamkeit wichtig. Erfolgreiche Athleten und Berichterstattung können helfen, mehr Unterstützung zu generieren. Viele Trainer arbeiten ehrenamtlich, was die Organisation und Förderung zusätzlich erschwert.
Wettkampfkalender und Disziplinen
Der Wettkampfkalender im Rettungsschwimmen ist gut gefüllt. Alle zwei Jahre finden Weltmeisterschaften statt, dazwischen Europameisterschaften. Qualifikationszeiträume, deutsche Meisterschaften und internationale Wettkämpfe wie der Deutschlandpokal sorgen für regelmäßige Höhepunkte. Anders als im Schwimmsport gibt es keine Bundesliga oder Weltcups im klassischen Sinne, aber die Möglichkeit, an internationalen Meisterschaften im Ausland teilzunehmen.
Die Disziplinen im Pool und Ocean unterscheiden sich deutlich. Ocean-Disziplinen sind oft zeitlich länger und beinhalten den Einsatz von Sportmaterialien wie Rettungsboards und Rettungsskis. Dazu gehören auch Strand-Disziplinen und Staffeln. Alica Gebhardt betreibt fast alle Disziplinen, auch wenn sie sich im Einzel auf bestimmte Bereiche konzentriert.
Die Faszination des Sports
Obwohl Alica Gebhardt beide Umgebungen – Pool und Natur – schätzt, hat das Training im Freien, besonders in Australien, einen besonderen Reiz. Die Unwägbarkeiten des Meeres machen den Sport draußen anders und herausfordernd im Vergleich zur kontrollierten Umgebung einer Schwimmhalle.
Obwohl sie noch keine ernsthaften Rettungssituationen im Alltag erleben musste, konnte sie ihre Fähigkeiten bereits einsetzen, um jemandem auf ihrem Board zu helfen oder bei der Suche nach einem vermissten Kind zu unterstützen.
Realitätsnähe und Nachwuchs
Die Wettkampfdiziplinen im Rettungsschwimmen sind zwar Leistungssport und nicht immer 1:1 auf reale Rettungssituationen übertragbar, aber die Athleten sind geschult und wissen, wie sie in Notfällen helfen können. Der Nachwuchs im Rettungsschwimmen ist gut, auch wenn die Corona-Pandemie einige Herausforderungen mit sich brachte. Alica Gebhardt ist optimistisch, was die zukünftige Entwicklung des Nachwuchses angeht.
Trainingsalltag und Verbandsstruktur
Alicas Trainingswoche ist intensiv: tägliches Wassertraining, dreimal pro Woche Krafttraining und zusätzliche Einheiten auf dem Rad oder beim Laufen. Während ihrer Zeit in der Sportfördergruppe trainierte sie sogar zweimal täglich. Das Training im Wasser umfasst sowohl allgemeine Schwimmeinheiten, oft mit Flossen, als auch spezifisches Materialtraining.
Ein Wechsel zum Deutschen Schwimmverband (DSV) könnte dem Rettungsschwimmen mehr Professionalität und Vorteile bringen, auch wenn die DLRG bereits gute Arbeit leistet. Die Prioritäten der DLRG liegen jedoch nicht primär im Leistungssport.
Ziele und Erwartungen für die World Games
Bei den World Games steht nicht explizit der Druck im Vordergrund, Medaillen zu gewinnen, aber die Athleten sind sich ihrer Erfolge bewusst und wissen, wie wichtig gute Ergebnisse für die Sportart sind. Spaß und Teamgeist sind ebenso wichtig. Alica Gebhardt hat gute Chancen, besonders in den Staffeln, und hofft auf ein perfektes Rennen im "Super Lifesaver".
Die World Games 2025 in Karlsruhe werden ein besonderes Ereignis für Deutschland sein. Alica Gebhardt hofft, dass die Sportart bis dahin noch präsenter wird und freut sich auf die Möglichkeit, bei einem Heimspiel dabei zu sein, auch wenn sie ihre Teilnahme noch nicht bestätigen kann.
Ein "Mini-Olympia"
Die World Games werden als eine Art "Mini-Olympia" beschrieben, da sie eine andere Erfahrung bieten als reine Rettungssport-Wettkämpfe. Das Zusammenleben in einem Athletendorf und die Möglichkeit, andere Sportarten zu verfolgen, machen das Event besonders.
Die Vorbereitung auf die World Games in Chengdu, China, beinhaltet ein Trainingslager in Hongkong zur Akklimatisierung. Die Wettkämpfe beginnen früh, und das Team wird sich vor Ort den letzten Schliff holen. Alica Gebhardt freut sich sehr auf die Eröffnungsfeier und die Wettkämpfe.