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Nadine Nurasyid: Eine Frau im Football – Vom Spielfeld zur TV-Expertin
In einem spannenden Gespräch gibt Nadine Nurasyid, eine bekannte Persönlichkeit im deutschen Football, tiefe Einblicke in ihre Karriere. Sie spricht über ihren ungewöhnlichen Weg vom Spielfeld zur Trainerin und TV-Expertin, die Herausforderungen und Freuden in einer von Männern dominierten Sportart und ihre Erfahrungen in verschiedenen Ligen.
Mein Weg zum Football: Eine späte Leidenschaft
Nadine Nurasyid kam erst spät zum Football, und das auf eher unspektakuläre Weise: durch ihren Freund, der bereits spielte. Anfangs verstand sie nichts vom Spiel, nicht einmal, ob Offense oder Defense auf dem Feld war. Doch als sie von den Unicorbys Ladies für deren Frauenmannschaft rekrutiert wurde, war es wie eine Erleuchtung. Sie dachte sich: „Mensch, wenn ich das mal vorher gefunden hätte, das ist genau mein Ding.“
Nach einer relativ kurzen Spielerkarriere – sie begann mit 27 Jahren – war ihr klar, dass sie nicht ewig spielen würde. Der Wunsch, im Sport zu bleiben, führte sie zum Sportwissenschaftsstudium. Dieses Studium gab ihr nicht nur ein besseres Verständnis für Bewegungen und ein geschulteres „Coaching Eye“, sondern auch die Bestätigung, die sie brauchte, um sich als Trainerin zu etablieren. Es war ihr wichtig, alles von Grund auf zu lernen und eine solide Basis zu haben.
Coaching auf verschiedenen Ebenen: GFL, ELF und NFL
Football ist im Kern immer Football, aber die Umgebung macht einen großen Unterschied. American Football in Europa ist anders als in den USA, und selbst dort gibt es große Unterschiede zwischen Highschool, College und der NFL. Die NFL ist dabei die Spitze, eine Liga, in der es darum geht, die besten Spieler der Welt in den besten Konstellationen einzusetzen.
Für Nadine ist die Beziehung zwischen Coach und Spieler das Wichtigste, egal auf welchem Level. Nur wenn Vertrauen da ist, lässt sich ein Spieler auch coachen. Die Unterschiede zwischen den Ligen liegen eher im Athletik-Level, dem Engagement und der Zeit, die investiert werden kann. Während in der GFL (German Football League) und ELF (European League of Football) noch vieles ehrenamtlich oder semi-professionell läuft, ist die NFL ein Geschäft mit Milliardenumsätzen und enormem Druck. Doch die Freude am Spiel und die Atmosphäre in einem vollen Stadion sind für Spieler und Trainer gleichermaßen wichtig. Der Applaus der Fans ist eine Art Bezahlung und Motivation.
Meine Coaching-Philosophie: Beziehung und Strenge
Nadine beschreibt ihren Coaching-Stil als eine Mischung aus beidem: Man kann bis zu einem gewissen Grad ein „Buddy“ sein, aber am Ende muss man auch die Zügel in der Hand halten. Besonders in der NFL, wo Spieler oft mehr verdienen als Trainer, ist die Herangehensweise anders. Dort kann ein Coach schnell ersetzt werden, wenn er nicht mit den Stars zurechtkommt. Auf Amateur- oder Semi-Pro-Ebene ist das seltener der Fall.
Für sie ist es wichtig, Spieler zur Verantwortung zu ziehen. Jeder Mensch neigt dazu, nachzulassen, und ein Coach muss die Dynamik im Griff haben. Disziplin ist im Football unerlässlich, da die Gesundheit der Spieler voneinander abhängt. Es ist die Kunst des Coachings, zu wissen, wie viel Beziehung und wie viel Strenge zu welcher Zeit angebracht ist. Als Coach ist sie die Erste, die die Verantwortung übernimmt, und das ist für sie kein Problem. Sie sieht es als ihre Aufgabe, Entscheidungen zu treffen und ein Vorbild zu sein.
Als Frau in einer Männerdomäne
Für Nadine ist ihr Geschlecht im Alltag als Coach meistens kein Thema. Sie sieht sich als Coach wie jeder andere auch. Natürlich gibt es Momente, in denen es auffällt, und sie argumentiert dann auch, dass Diversität und unterschiedliche Blickwinkel Vorteile bringen. Ihr eigener Erfahrungsschatz ist dabei ein Pluspunkt. Kommentare von außen gab es immer wieder, manchmal sogar von Trainerkollegen, aber sie kann darüberstehen. „Irgendjemand muss ja mal durchgehen“, sagt sie.
Das Bill Walsh Diversity Coaching Fellowship und die TV-Rolle
Nadine wurde in das Bill Walsh Diversity Coaching Fellowship aufgenommen, ein Programm der NFL, das talentierte Coaches, besonders aus Minderheiten, in die Liga bringen soll. Sie wird fünf Wochen lang die Tampa Bay Buccaneers in der Preseason begleiten. Sie hofft, an allen Meetings und Film-Sessions teilnehmen zu können und einer Einheit zugeordnet zu werden. Selbst wenn ihre Aufgabe nur darin bestünde, Hütchen aufzustellen, wäre sie glücklich, denn die Lernmöglichkeiten in der NFL sind immens.
Ihre Rolle als TV-Expertin kam eher zufällig. Anfangs lehnte sie ab, weil sie die „Besserwisserei“ mancher Kommentatoren nicht mochte. Ihr erster Einsatz war eine Radio-Kommentierung für das erste NFL-Spiel in Deutschland, weil sie kein Ticket für das Stadion bekommen hatte. Es war ein Prozess, sich in diese Rolle einzufinden, denn es ist ein Handwerk. Mittlerweile, nach zwei Jahren, hat sie Selbstvertrauen gewonnen und genießt es, das Spiel aus ihrer Perspektive als Football-Coach zu kommentieren, auch wenn sie weiß, dass Experten immer eine gewisse Distanz zum Geschehen haben.
Persönliche Einblicke: Emotionen und Vorlieben
Nadine teilt auch persönliche Momente und Vorlieben:
- Emotionalste Momente:
- Als Coach: 2021, als sie mitten in der Saison als Defensive Coordinator übernahm und das erste Spiel mit einem Shutout gegen einen starken Gegner gewann. Der Druck, der dabei abfiel, und das Vertrauen der Spieler waren überwältigend.
- Als Spielerin: Ihr letztes Spiel, das deutsche Meisterschaftsfinale, das sie zwar verlor, aber in dem das Team alles gab und sie einen emotionalen Abschied von ihrer aktiven Karriere hatte.
- Wetter beim Spiel: Am liebsten sommerliche Temperaturen unter 30 Grad und ohne Regen. Regen macht den Ball rutschig und Gameplans zunichte. Kälte ist auch schlimm, da jeder Hit mehr wehtut.
- Reiseziel: Alpenpanorama. Als gebürtige Münchnerin schätzt sie die Berge vor ihrer Haustür sehr.
- Lieblingsteam: Aktuell ist es ihr Team, die Stuttgart Surge, wegen des Coaching Staffs. In der NFL versucht sie neutral zu bleiben, aber die Tampa Bay Buccaneers haben durch ihre Fellowship-Erfahrung einen besonderen Platz in ihrem Herzen. Als Kind sympathisierte sie mit den San Francisco 49ers.
- Traum-Coach: Sie hätte gerne mal eine ganze Saison mit Nick Saban zusammengearbeitet, dessen Training sie an der University of Alabama erleben durfte.
- Coaching-Stil bei Misserfolg: Sie wird tendenziell ruhiger, wenn es ernst wird. Ihre Spieler wussten dann: „Oh, oh, jetzt sagt sie nichts mehr, jetzt ist die Kacke am Dampfen.“
Nadine Nurasyid ist eine beeindruckende Persönlichkeit, die ihren Weg im Football mit Leidenschaft, Disziplin und einer klaren Vision geht.
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