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Golden Underdogs: Wie Sandra Kiriasis den Bobsport nach Nigeria bringt

Sandra Kiriasis, Olympiasiegerin und langjährige Trainerin im Bobsport, wagt ein Abenteuer der besonderen Art: Sie unterstützt die nigerianische Bobfahrerin Simi Adigun dabei, den Traum vom olympischen Durchbruch zu leben. Ein sportliches Projekt mit viel Herz, Stolz und einer guten Portion Improvisation.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Kleine Nationen brauchen oft ganz praktische Hilfe – von Geräten bis zur Unterkunft.
  • Motivation zählt mindestens genauso viel wie sportliches Talent.
  • Wintersport und Nigeria klingt verrückt, ist aber genau deshalb besonders spannend.

Wie alles begann: WhatsApp aus Nigeria

Manchmal fangen große Geschichten ganz unspektakulär an. Eine unbekannte Nummer, eine WhatsApp-Nachricht, komische Vorwahl – so begann das Abenteuer Nigeria im Bobsport für Sandra. Simi, die nigerianische Bobfahrerin, suchte dringend Unterstützung für ein Training in Winterberg. Erst war Sandra skeptisch, doch schon beim ersten Treffen war klar: Hier will jemand wirklich was bewegen. Und: Simi ist kein PR-Gag. Sie zieht ihr Ding durch, trotz Zeitverschiebung, Nebenjobs – einfach auf eigene Faust.

Sandra merkte schnell, worum es den sogenannten "Golden Underdogs" geht: Kleine Nationen, große Herausforderungen, wenig Hilfe vom Verband. Also: Einfach mal selber Sponsoren auftreiben, selbst Zubehör mitbringen und sogar selbst die Unterkunft organisieren. Bei Simi war das übrigens ein echter Glücksgriff – sie wohnte bei einer nigerianisch-deutschen Familie. Das gibt Heimatgefühl und warme Mahlzeiten. Kleines Extra: So spart man auch direkt wieder Geld.

Mit Herz und Improvisation: Die Probleme der kleinen Teams

Bobfahren ist teuer und kompliziert. Das fängt beim Kauf des Bobs an (hier wird schon mal Kernschrott verkauft) und hört nicht bei den teuren Kufen auf. Die Trainings- und Reisekosten? Nicht zu unterschätzen. Und bei Problemen hilft niemand – es gibt ja kein großes Team wie bei den Top-Nationen.

Sandra probierte aus, wie sie helfen kann:

  • Ausrüstung weitergeben: Eigene Kufen und Material wurden spontan zur Verfügung gestellt.
  • Sponsoring: Aufkleber auf dem Bob gegen gesponserte Unterkunft – kreative Lösungen sind gefragt.
  • Netzwerk nutzen: Wer im Sport viele kennt, hilft schneller weiter – und das ist oft mehr wert als Geld.

Ein echter Meilenstein: Simi war die erste Afrikanerin, die sich für eine Bob-Weltmeisterschaft qualifizierte.

Potenzial und tägliche Hürden: Training, Motivation, Alltag

Sportlicher Ehrgeiz ist eine Sache, aber wenn Bob und Equipment immer wieder Probleme machen, braucht es Durchhaltevermögen. Simi beispielsweise musste oft an Routinen arbeiten – etwa den Sprung in den Bob (im Monobob springt man von hinten, im Zweier von der Seite). Das klingt banal, wurde für sie aber zur echten Hürde. Viel Training, Geduld und trockene Sprüche von Sandra später klappte es dann endlich. "Nicht nachdenken, einfach reinspringen!" – so simpel, so wirkungsvoll.

Das Trainingslager war knallhart, aber auch ein Erfolgserlebnis. Simi und ihre Anschieberin (by the way: Krankenschwester in der British Army) haben sich im Sprint und Start erkennbar verbessert, auch wenn sie im Vergleich zu den deutschen "Schränken" körperlich leichter sind.

Problem Lösung von Sandra
Schlechte Ausrüstung Eigene Kufen und Teile geben
Teure Unterkunft Im Netzwerk günstiger finden
Wenig Helfer beim Rennen Spontanes Mini-Team organisieren
Unsicherheit/Motivation Mental-Coaching und klare Ansagen

Bobfahren in Nigeria: Zwischen Cool Runnings und Realismus

Wintersport in Nigeria? Geht das überhaupt? Simi lebt inzwischen in den USA, startete früher im Skeleton und hat sich wohl vom berühmten Film "Cool Runnings" inspirieren lassen. Viele afrikanische Sportlerinnen kommen eigentlich aus der Leichtathletik – Sprint und Schnellkraft helfen im Bob ungemein. Alle trainieren nebenbei, haben Jobs, müssen um jedes Visum kämpfen und sich oft komplett allein finanzieren.

Im Monobob sind die Chancen übrigens besser als in anderen Disziplinen: Hier ist das Material vorgeschrieben – jede fährt das gleiche Grundmodell. Top-10-Plätze macht Sandra genauso glücklich wie früher ein Olympiasieg. Denn: Es zählt nicht nur das Podium, sondern wie sehr sich das Team weiterentwickelt.

Die Vision der Golden Underdogs

Simi und Sandra sind längst nicht allein – das Modell soll wachsen. Andere kleine Nationen, Einzelkämpfer aus Holland, Spanien, Kanada: Alle können von einem kleinen Team profitieren, das hilft und einfach mal mitanpackt. Das Problem bleibt: Ohne Geld geht nichts. Sponsoren und kreative Netzwerke sind gesucht und herzlich willkommen – und manchmal braucht man zusätzlich eine Portion Glück. Das Leben ist halt kein Werbespot, auch im Bobsport.

Was bringt die Zukunft?

Im Oktober geht’s wieder los: Training, Testläufe, Material zurechtlegen. Sandra will überall dabei sein, so oft es möglich ist. Und Olympia 2026 in Cortina steht schon dick im Kalender. Ein großes Ziel wäre eine Top-10-Platzierung für Simi – das würde für Sandra alles bedeuten: 20 Jahre nach ihrem eigenen Olympiasieg nochmal am Eiskanal stehen, diesmal als Trainerin. Das Projekt "Golden Underdogs" soll auf jeden Fall weitergehen, vielleicht auch bald mit Sportlerinnen aus Pakistan, Brasilien, wo auch immer sich jemand traut, diesen verrückten Weg zu gehen.

Fazit: Kleine Nation, große Träume

Der Weg ist steinig, der Alltag oft anstrengend, aber die Motivation steckt an. Wer von Sandra’s Alltag als Trainerin und der Geschichte von Simi nicht inspiriert ist, hat wohl nie Cool Runnings gesehen. Vielleicht guckt man beim nächsten Bobsport-Rennen nicht nur auf die Deutschen, sondern auch mal auf das Team aus Nigeria – und denkt dabei an all die kleinen Details, hinter denen große Träume stecken.

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